Auf den Spuren der Seidenbandfabrikanten

Am 10. Juni 2021 traf sich um 16.30h beim Totentanz ein Grüppchen der Männerriege zu einem speziellen Anlass. Wie immer am 2. Donnerstag im Monat, wo wir uns jeweils ausserhalb der Turnhütte treffen, um einen Hock der anderen Art zu zelebrieren, ist vorgesehen, dass wir uns im Bereich der St. Johann-Vorstadt etwas näher umsehen wollen.  

In Richtung der alten Volksdruckerei verschieben wir uns zum Erlacherhof (St. Johanns-Vorstadt 15/17). Der Erlacherhof war früher der Standort einer Seidenbandfabrik, wo Ernst Iseli seinen Arbeitsplatz hatte. Ernst hatte uns im Innern des Erlacherhofs erläutert, was wo produziert und gelagert wurde. Die Zeiten der Syydebändeli sind jedoch vorbei und die Räumlichkeiten werden heute von zahlreichen Architekturbüros genutzt. Der Name «Erlacherhof» ist darauf zurückzuführen, dass 1650 Margaretha von Erlach (1611 – 1655) die Liegenschaft erstanden hatte. Sie war die Witwe von Generalleutnant Hans Ludwig von Erlach (1595 – 1650), der im Dienste Schwedens im 30-jährigen Krieg kämpfte. Daher der Name Erlacherhof.

Im 15. Jahrhundert hiess die Liegenschaft jedoch «Schlierbachs Hof», denn 1478 kaufte ein Rudolf von Schlierbach, der an Aussatz gestorben ist, das Gebäude. Im Juli 1775 war auch Johann Wolfgang von Goethe zu Gast in diesem Haus. Eine Gedenktafel am Treppenturm des Erlacherhofs erinnert an die Besuche von Goethe, der im Oktober 1779 nochmals zugegen war. 2004/2005 wurde der Erlacherhof umfassend renoviert und befindet sich heute in Privatbesitz.

Müde vom Stehen und Zuhören sowie einem knurrenden Magen verschoben wir uns allmählich zum Formonterhof. Dieses Gebäude gehört der Christkatholischen Kirchgemeinde. Im Erdgeschoss befindet sich die OffenBar. Dies ist der Treffpunkt der Kirchgemeinde, wo jeweils am Donnerstag ab 17.00h zu einer einfachen, aber schmackhaften Küche getafelt werden kann. Dank schönem Wetter konnten wir das Nachtessen in einem wunderschönen Garten unter alten Bäumen und Büschen einnehmen.  

Was führte uns in die St. Johanns-Vorstadt 27? Ein Zunftbruder von Rolf Breitenfeld, der hauptberuflich Pfarrer in der besagten Kirchgemeinde ist, ermöglichte uns diesen Abstecher. Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit ist er auch in der OffenBar engagiert.

Seinen Namen trägt der Formonterhof nach dem französischen Adeligen Graf Jean Formont de La Tour, dessen Witwe das bestehende Anwesen 1720 vom Handelsherrn Philipp Heinrich Fürstenberger erwarb. Der Formonterhof war 1747 unter dem Namen «zum neuen Haus» eines der ersten Häuser in der Stadt mit fliessendem Wasser! 1832 wurde das Gebäude vom bekannten Architekten Melchior Berri umgebaut.

Gesättigt und zufrieden klang der gemütliche Abend aus. Der etwas andere Donnschtig-Bummel neigte sich dem Ende zu.

Interessant und schön war`s. Danke all denen, die uns diese unbeschwerten Stunden ermöglicht haben.                                                                                                                                   

                                                                                            Schampedis