1974/2014: Treff 40 Jahre nach den Handballturnieren in Luxemburg und Schweden

Hej då och ha det kul, hat mir Ann-Sofi zugerufen, als ich mich auf den Weg machte, was auf schwedisch und noch richtig ausgesprochen (hej doo og ha de kül) so viel wie tschüss und viel Spass bedeutet. Dass mein Bericht mit einer kleinen Sprachlektion beginnt, hat natürlich seinen guten Grund. Denn es gibt Anlässe oder Ereignisse im Leben, bei denen sich im Nachhinein herausstellt, dass sie von entscheidender Bedeutung für den weiteren Verlauf gewesen sind.

Es mag ja sein, dass ich den Norden und die Faszination der skandinavischen Landschaft irgendwann später in meinem Leben immer noch entdeckt hätte. Es ist aber doch so, dass mich dieser Teil Europas seit dem ersten Besuch anlässlich des Handballturnieres in Göteborg im Sommer 1974 - ich war damals 16 Jahre alt - nicht mehr losgelassen hat. Es reihte sich in den folgenden Jahren jeweils eine Interrailreise an die andere und neben den Schönheiten der Landschaft ist mir natürlich auch nicht entgangen, dass es die Schöpfung mit den Mädchen in Schweden besonders gut meinte.

Es vergingen aber noch 12 Jahre – ich habe natürlich zwischenzeitlich auch die schweizerische Ausformulierung der weiblichen Schönheit schätzen gelernt - viele kleine und grosse Zufälligkeiten, bis ich meine Frau in Schweden kennen lernte und wir dann weitere 5 Jahre später geheiratet haben.

Am Anfang dieser Geschichte stand aber vor 40 Jahren unbestritten unser Jugendriegeleiter Max K. Schaub, der von der Idee beseelt war, mit seinen jungen Handballern an ein weiteres grosses Turnier im Ausland zu reisen, um sich dort nach dem Turnier in Luxemburg über Ostern nun auch auf internationaler Ebene behaupten zu können. Die Spiele im kleinen luxemburgischen Ort Dudlenge gingen damals leider alle verloren. Max verstand es diese Begeisterung auf uns junge Handballer zu übertragen und schnell waren so viele Anmeldungen für Göteborg beisammen, dass 2 Teams gemeldet werden konnten.

Nun 40 Jahre später ist bei ihm die Fähigkeit sich selber und andere zu begeistern ungebrochen und darum ist es nicht verwunderlich, dass fast ausnahmslos alle, die 1974 damals an den beiden Turnieren dabei waren, seiner Einladung zum 40-Jahr-Rückblick gefolgt sind.

Typisch für seine Art legt er auch diesem Anlass eine minutiöse Planung zu Grunde und schafft es mit dem Spürsinn eines Detektives die damaligen Namen- und Adresslisten zu aktualisieren, um dann alle fast ein Jahr im Voraus für das Grossereignis zu gewinnen. Die vielen Mails und Terminverschiebungen machen sich auch bezahlt und so haben sich am Freitagabend vom 9. Mai nebst den damaligen Begleitern 24 mittlerweile teils ergraute ehemalige Handballer in der Vereinshütte auf der Breitematte getroffen, um die Erinnerungen von 1974 nochmals aufleben zu lassen.

Es hat natürlich wie bei einer Klassenzusammenkunft der Primarschule auch damit begonnen, dass man beim besten Willen einfach nicht wusste, zu welchem Namen nun diese Hand gehört, die man gerade schüttelt, denn die Namen hatte man ja im Vorfeld dank der Maxschen Tabellen bestens studiert. Aber was nützt das, um es mit dem Klassentreff zu vergleichen, wenn plötzlich aus der zahnspangentragenden, sommersprossigen kleinen und zickigen Streberin aus der vordersten Bank auf einmal eine attraktive und nette Dame geworden ist. Also hat sich auch diesem Abend der eine und andere mit ‚y bi dr …‘ weiterhelfen lassen. Es soll nun aber niemand meinen, dass es sich bei uns Sportlern umgekehrt wie bei der Streberin verhalten hat, dass sich nämlich die Wandlung vom damaligen stählernen Sixpackkörper zum fetten Kartoffelsack vollzogen hat. Nein – da ist auch heute noch viel von dem übrig, was Max einmal entscheidend aufgebaut hat.

Es waren weniger die 2 alten Super-8-Filme von Max, die im heutigen perfektionierten Bild- und Filmzeitalter wie Übrigbleibsel ist‚ als die Bilder laufen lernten, gewirkt haben, die uns wieder schnell zu alten Sportsfreunden machten, als die Tatsache, dass der Wettkampfsport mit seinen Hochs und Tiefs so viele Spuren hinterlassen hat, die es nur wieder kurz zu aktivieren brauchte und schon war viel der damaligen Vertrautheit wieder da. Während alte Geschichten wieder wach gerufen und die Lebensgeschichten im Zeitraffer ausgetauscht wurden, verging die Zeit im Fluge. Ein dabei sichtlich gerührter und stolzer Max konnte sich sicher sein, doch Einiges im Leben richtig gemacht zu haben, denn sonst hätte er nicht auf so viele gut gelaunte aktuelle und alte TVBler blicken können.

Ich danke hier im Namen aller für den tollen Abend und die von Max offerierte kalte Platte und ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Kinder ohne das Turnier in Schweden heute wohl eher Sarah und Simone anstatt Linn und Lotta heissen würden.

  Beat Breitenfeld